Lilafarbene Illustration eines Mannes mit stilisiertem Heiligenschein, der in die Ferne sieht, als over-the-shoulder-shot.

Orientierungstypen
KMU 6

Icon eines gelben Kreises mit der lilafarbenen Illustration einer Hand, die eine Blume aus einer Vase mit mehreren Blumen nimmt.

Choosing my Religion: Das Koordinatensystem deutscher Religiosität

Wir wollten wissen: Welche verschiedenen Formen von Religiosität gibt es? Die Unterscheidungen liefern mehrere spannende Erkenntnisse. Dabei kennzeichnet sich jeder Orientierungstyp durch einige Besonderheiten.

Auf einen Blick
Die spannendsten Ergebnisse

  1. Religiosität in Deutschland hat zwei Dimensionen: die kirchennahe und die kirchenferne Religiosität.
     

  2. Sowohl die kirchennahe als auch die kirchenferne Religiosität sind rückläufig. Die kirchenferne Religiosität sinkt jedoch am schnellsten.
     

  3. Beide Dimensionen der Religiosität schließen einander nicht aus.
     

  4. Aus den zwei Dimensionen ergeben sich vier religiös-säkulare Orientierungstypen: die Kirchlich-Religiösen, die Religiös-Distanzierten, die Säkularen und die Alternativen. Diese Religiositätstypen lassen sich wiederum in weitere Subtypen unterteilen.
     

  5. Mit einem Anteil von 56 Prozent gehört die Mehrheit der deutschen Bevölkerung der Gruppe der Säkularen an. Diese Gruppe gilt als kaum noch religiös ansprechbar.

Infografik: Religiosität in Deutschland, Datenbasis: KMU 6  Die Grafik zeigt anhand eines dreidimensionalen Kreisdiagrammes die Gruppengrößen einer Typologisierung von 4 religiös-säkularen Orientierungstypen. Diese 4 Gruppen sind mit 56% (jeweils bezogen auf den Bevölkerungsanteil) die Säkularen, mit 25% die Religiös-Distanzierten, mit 13% die Kirchlich-Religiösen, und mit 6% die Alternativen.

Kirchlich-Religiöse

Gottlob treu: Kirchlich-Religiöse sind fest in der Gesellschaft verankert

  • 13 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören zur Gruppe der Kirchlich-Religiösen – davon stammen 14 Prozent aus West- und neun Prozent aus Ostdeutschland.

  • 96 Prozent aller Kirchlich-Religiösen sind Kirchenmitglieder.

  • Dieser Orientierungstyp zeichnet sich durch eine kirchlich orientierte Religiosität aus, die für ihre jeweilige Lebenswelt relevant ist.

  • Kirchlich-Religiöse sind gesellschaftlich überdurchschnittlich stark integriert, verfügen meist über eine vergleichsweise hohe Schulbildung und sind wirtschaftlich gut aufgestellt. Außerdem zeichnet sie ein hohes Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen und Traditionen aus.

  • Das Durchschnittsalter beträgt 54 Jahre und ist damit das höchste unter allen vier Religionstypen.

Infografik Orientierungstyp 1: Kirchlich-Religiöse  Die Grafik konzentriert sich auf einen von 4 Ausschnitten aus dem dreidimensionalen Kreisdiagramm. Dieser Ausschnitt beleuchtet den Orientierungstyp der Kirchlich-Religiösen (13% der Gesamtbevölkerung in Deutschland) genauer. Dieser Orientierungstyp setzt sich aus 42% Evangelischen, 53% Katholischen und 5% Konfessionslosen zusammen. Die nähere Betrachtung dieses Orientierungstyps ergibt wiederum eine weitere Unterteilung in 2 Subtypen: Religiös-Geschlossene (6%) und Religiös-Offene (7%).

Religiös-Distanzierte

Denn sie wissen, worum es geht – auch wenn man sie nicht in der Kirche sieht

  • Ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland lässt sich der Gruppe der Religiös-Distanzierten zuordnen – davon 27 Prozent aus West- und 13 Prozent aus Ostdeutschland.

  • 84 Prozent der Religiös-Distanzierten sind Kirchenmitglieder. 16 Prozent sind konfessionslos. 

  • Eine engere soziale Anbindung an kirchliche Strukturen ist bei dieser Gruppe nicht festzustellen.

  • Menschen in dieser Gruppe sind trotz räumlicher Ferne religiös sprachfähig – denn sie haben Fragen, Zweifel und eine Ahnung, wer oder was Gott für sie sein könnte.

  • Ihr soziodemografisches Profil ist unauffällig und entspricht dem Bevölkerungsdurchschnitt. Das Durchschnittsalter beträgt 50 Jahre.

Infografik Orientierungstyp 2: Religiös-Distanzierte  Die Grafik konzentriert sich auf einen von 4 Ausschnitten aus dem dreidimensionalen Kreisdiagramm. Dieser Ausschnitt beleuchtet den Orientierungstyp der Religiös-Distanzierten genauer. Dieser Orientierungstyp setzt sich aus 38% Evangelischen, 44% Katholischen und 18% Konfessionslosen zusammen. Die nähere Betrachtung dieses Orientierungstyps (25% der Gesamtbevölkerung in Deutschland) ergibt wiederum eine weitere Unterteilung in 3 Subtypen: Distanziert-Säkulare (9%), Distanziert-Kirchliche (8%) und Distanziert-Alternative (8%).

Säkulare

Gegen Konfession und Tradition: Säkulare wandeln auf anderen Pfaden

  • 56 Prozent der deutschen Bevölkerung zählen zur Gruppe der Säkularen – davon 73 Prozent der Ost- und 53 Prozent der Westdeutschen.

  • Die Gruppe der Säkularen gibt an, dass Religiosität in ihrem Leben keine Rolle spielt. Sie gilt als kaum mehr religiös ansprechbar.

  • Das Durchschnittsalter der Säkularen liegt mit 47 Jahren vergleichsweise niedrig.

  • Neben 65 Prozent der Konfessionslosen gelten auch 39 Prozent der evangelischen und 35 Prozent der katholischen Kirchenmitglieder als Säkulare.

  • Neun Prozent der Säkularen schätzen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht ein. Damit bewerten die Säkularen ihre wirtschaftliche Situation häufiger schlecht als Kirchlich-Religiöse und Religiös-Distanzierte, aber weniger schlecht als Alternative.

  • 43 Prozent der Säkularen haben mindestens das Abitur gemacht. Damit liegt das Bildungsniveau in der Gruppe der Säkularen am höchsten.

  • Für 68 Prozent der Säkularen ist Selbstverwirklichung wichtig. In keiner anderen Gruppe liegt dieser Prozentsatz höher.

Infografik Orientierungstyp 3: Säkulare  Die Grafik konzentriert sich auf einen von 4 Ausschnitten aus dem dreidimensionalen Kreisdiagramm. Dieser Ausschnitt beleuchtet den Orientierungstyp der Säkularen (56% der Gesamtbevölkerung in Deutschland) genauer. Dieser Orientierungstyp setzt sich aus 16% Evangelischen, 16% Katholischen und 67% Konfessionslosen zusammen. Die nähere Betrachtung dieses Orientierungstyps ergibt wiederum eine weitere Unterteilung in 3 Subtypen: Säkular-Geschlossene (36%), Indifferente (14%) und Säkular-Offene (6%).

Alternative

Klein, kirchenfern und doch verschieden

  • Sechs Prozent der deutschen Bevölkerung werden zum Orientierungstyp der Alternativen gezählt.

  • Die Gruppe der Alternativen eint eine hohe Zustimmung zu kirchenfernen religiösen Orientierungen. Kirchennahe Religiosität findet sich bei ihnen im Spektrum gering bis mittel ausgeprägt.

  • Die Alternativen schätzen gesellschaftliches Engagement eher wenig und weisen eine tendenziell geringe Schulbildung auf. Dabei sind sie überdurchschnittlich offen für Neues und schätzen Kreativität und Selbstverwirklichung. Das Durchschnittsalter dieses Orientierungstyps beträgt 51 Jahre.

  • Unter den Alternativen ist ein Hang zum Populismus feststellbar.

Infografik Orientierungstyp 4: Alternative  Die Grafik konzentriert sich auf einen von 4 Ausschnitten aus dem dreidimensionalen Kreisdiagramm. Dieser Ausschnitt beleuchtet den Orientierungstyp der Alternativen (6% der Gesamtbevölkerung in Deutschland) genauer. Dieser Orientierungstyp setzt sich aus 27% Evangelischen, 32% Katholischen und 42% Konfessionslosen zusammen. Die nähere Betrachtung dieses Orientierungstyps ergibt wiederum eine weitere Unterteilung in 2 Subtypen: Esoterische (4%) und Elitenferne Hedonisten (2%).

Zuordnung der in der Stichprobe der KMU 6 enthaltenen Muslima und Muslime zu den vier Orientierungstypen

Die Hälfte der befragten Muslima und Muslime sind Religiös-Distanzierte. Jeweils zu einem Viertel handelt es sich um Säkulare oder um Menschen mit einer religiösen Orientierung, die der der Kirchlich-Religiösen entspricht. Alternative sind unter ihnen kaum vorhanden.

Die KMU 6 trifft keine Aussagen über andere nicht-christliche Religionsgemeinschaften, da von diesen zu wenige Personen in der Stichprobe der Befragung enthalten sind.

Jetzt sind Sie gefragt!

Welche religiösen Orientierungstypen begegnen Ihnen im kirchlichen Alltag am häufigsten? Welche neuen Schwerpunkte könnte die Kirche setzen, um mit allen Religiositätstypen ins Gespräch zu kommen oder im Gespräch zu bleiben? Teilen Sie uns Ihre Gedanken, Ideen und Impulse jetzt per E-Mail an info@ekd.de mit!

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